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Yoga hilft, aber: Es gibt kein "Hormon-Yoga"
Der Übergang von einer Lebensphase in die nächste verläuft normalerweise fast unmerklich: Menschen werden älter, (manchmal) weiser, die Kinder werden erwachsener, berufliche und persönliche Themen verändern sich.
Frauen jedoch erleben diesen Prozess einmal in ihrem Leben deutlicher, lauter – dann nennt man es „ Wechseljahre“.
Körper und Befinden erfahren mit dem Veränderungsprozess der lange vertrauten hormonellen Monatszyklen viele Veränderungen. Sie überraschen, erschrecken sogar manchmal und stören nicht selten das persönliche Wohlbefinden: Schlafstörungen, Erschöpfung, Nervosität und Reizbarkeit, Konzentrationsdefizite, depressive Verstimmungen, unklare Gelenkbeschwerden und vor allem die bei über zwei Drittel aller Frauen auftretenden Hitzwallungen sind oftmals mehr als nur lästig.
Yoga kann helfen
Wechseljahrssymptome treten nicht bei jeder Frau gleich auf; jede nimmt ihren besonderen Weg durch diese Lebensphase.
Yoga kann dabei unter zwei Bedingungen eine große Hilfe sein:
- die Übungen müssen regelmäßig zu Hause geübt werden und
- das Yogaprogramm muss individuell auf Ihre besondere Situation zugeschnitten sein.
„Hormon-Yoga“ - so leider nicht
In vielen Publikationen wird zur Zeit auf die positiven Wirkungen des Yoga bei Wechseljahrbeschwerden hingewiesen. Besonders Vertrauen erweckend erscheint dabei der Hinweis auf die „Wissenschaftlichkeit“ der dort getroffenen Aussagen. Leider ist hier wie oft in Yoga-Publikationen nicht alles wirklich „wissenschaftlich“ was sich so nennt.
„Hormon-Yoga“ (Alle Zitate aus: D. Rodrigues, Hormon-Yoga, Schirner Verlag, 2007)
behauptet, es bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der Absenkung des Östrogenspiegels und Wechseljahrsbeschwerden, wie zum Beispiel Hitzewallungen. Das langame Absinken des Östrogenspiegels in den Wechseljahren ist jedoch ein völlig normaler Vorgang und führt an sich noch zu keinerlei Symptomen. Symptome entstehen vielmehr dadurch - darüber ist die Wissenschaft sich völlig einig - dass die mit dem Hormonabfall verlangten Regulationsleistungen vom Körper nur unzureichend erbracht werden können. Seit wenigen Jahren erst werden die Hormonwerte bei Frauen in den Wechseljahren systematisch gemessen und man konnte nachweisen, dass ihr Wert in keinerlei Zusammenhang mit den Beschwerden der untersuchten Frauen steht. So muss man die vielen Beispiele, mit denen „Hormon-Yoga“ eine Verbesserung der Beschwerden mit dem Anstieg der Östrogenspiegel belegen will, schnell vergessen.
Wenn also eine Frau durch regelmäßiges Yoga-Üben weniger Hitzwallungen erlebt, dann liegt das nicht daran, dass ihr Östrogenspiegel gestiegen ist, sondern dass ihre Regulationssysteme insgesamt wieder besser greifen. Nebenbei weiß man bis heute noch nicht sicher, wie eine Hitzewallung zustande kommt. Sicher ist aber, dass es nicht die Tiefe oder Höhe des Östrogenspiegels ist. Das Gleiche gilt für Schlafstörungen und andere Beschwerden der Wechseljahre.
Jagen Sie also nicht Ihren Östrogenen hinterher – Ihre Beschwerden haben nicht mit dem niedrigen Östrogenspiegel zu tun.
Aber warum hilft dann eine Östrogenzufuhr? Ganz einfach: Sie ersparen Ihrem Körper, sich nach und nach auf die neue Situation Ihrer Hormone einzustellen. Dann gibt es natürlich auch keine Anpassungsprobleme und auch keine Wechseljahrsbeschwerden mehr. Das Motto dazu könnte lauten: Die beste Therapie von Wechseljahrsbeschwerden ist die Abschaffung der Wechseljahre.
Aber selbst die Behauptung, dass sich der Hormonspiegel durch Yogaübungen verändert habe, ist im „Hormon-Yoga“ keineswegs belegt. Warum?
Der Östrogenspiegel ist ein individuell extrem unterschiedlicher Parameter mit hohen Schwankungen und somit ein absolut unzuverlässiger Bezugswert. In der Wissenschaft wird er deshalb nie zur Bestimmung des Menopausenverlaufs herangezogen. Die bei „Hormon-Yoga“ angeführten Veränderungen der Hormonspiegel bewegen sich alle im normalen Schwankungsbereich des Östrogens während der Wechseljahre.
(Nebenbei wird für die wissenschaftlich korrekte Bestimmung eines Hormonspiegels ein ganz anderes Messvorgehen verlangt wird als wie es für die Fallbeispiele des „Hormon-Yoga“ gemacht wurde. Tägliche (!) Messung des Hormonspiegels über 4 Wochen hinweg ist nötig, um eine einigermaßen exakte Aussage über den Hormonspiegel einer Frau treffen zu können.)
Yoga wirkt bei Wechseljahrsbeschwerden gut, aber wie macht man’s?
„Hormon-Yoga“ macht glauben, mit bestimmten Yogaüben könne man direkt auf einzelne Organe einwirken. Eine solche Theorie banalisiert die Werkzeuge des Yoga – so simpel sind sie nicht. Keine Yogaübung wirkt unmittelbar auf die hormonelle oder vegetative Regulation eines Menschen (Nach dem Motto: „Diese Übung, diese Wirkung, jene Übung, jene Wirkung“). Es geht anders:
Unser System verfügt über die wunderbare Fähigkeit zur Selbstregulation. Immer wenn Yogapraxis bei Wechseljahrsbeschwerden hilft, dann deshalb weil sie die Regulationssysteme der betroffenen Frau insgesamt positiv unterstützt.
Dafür bedarf es aber einer angemessenen Praxis für jede einzelne Person.
Ein solches Übungsprogramm muss Ihren speziellen Beschwerden angemessen sein und Ihre Lebenssituation wie Ihre körperlichen Besonderheiten berücksichtigen. Es wird schrittweise erarbeitet, so dass die Übungen sicher und richtig geübt werden. Ihre Erfahrungen beim Üben fließen dabei in die Veränderungen der Übungen ein, die jedes Mal vorgenommen werden, bis Ihre endgültige Übungspraxis entstanden ist – nach Maß.
So wirkt Yoga
Üben Sie ein individuell zugeschnittenes Yogaprogramm und tun Sie es regelmäßig. Es muss nicht lang sein.
Ihr besonderes Übungsset können Sie mit Unterstützung im Berliner Yoga Zentrum (BYZ) erlernen. Unserer Lehrerinnen sind dafür ausgebildet, Yogaprogramme individuell zu gestalten.
Einmal erstellt, kann eine solche Yogapraxis Ihre Wechseljahrbeschwerden mindern oder ganz beseitigen und Sie als treue Freundin durch die Jahre des Wandels begleiten.
Sie brauchen dazu nicht mehr als eine Viertelstunde Zeit am Tag und Platz für eine kleine Übungsmatte.
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